Freitag, 19. November 2010

No Shaving November

Mehr als zwei Wochen sind nun vergangen seit meinem letzten Eintrag hier in meinem Blog. In dieser Zeit ist nicht viel Aufregendes oder Neues passiert. Ich gehe in meine Kurse, arbeite an meine Projekte, lerne bis in die Abendstunden, gehe aus mit meinen Ski Team Buddies, zwitscher ab und zu ein paar Bierchen mit meinen Mitbewohnern. Der Alltag ist eingebrochen. Ich möchte in diesem Eintrag einfach ein paar analytische Gedanken los werden und vielleicht auch Kleinigkeiten aus dem Alltag erzählen.

Was ich an die Professoren hier auf dem College schätze, ist die Beziehung zwischen Studenten und Professoren auf persönlicher Ebene. Dies nimmt die Angst vor der Autoritätsperson und lockert die Stimmung im Unterricht. Es ist also absolut üblich, dass nach dem Unterricht oder sogar während des Unterrichtes, sofern es passt, gefragt wird, wie der Trip zum Glacier National Park war oder warum man gerne rote Cappy's trägt. Im Kurs Parallel Processing ist im Laufe diesen Semesters schon ein paar Mal geschehen, dass unser Professor Kim am Morgen mit gute Mehlspeisen hereinspaziert und an uns verteilt. Einfach aus seiner Laune heraus. Immer wieder unterhaltsam, wenn Kim von seiner Zeit als Student erzählt, von seiner ersten Freundin, die von seiner Schwester, die genau das Gegenteil in Person ist als Kim, genau gemustert und getestet wurde, von seiner Zeit in diversen Firmen und Erfahrungen. Ich denke er ist ziemlich zufrieden mit meiner Leistung in seiner Klasse und hat mich auch schon mehrmals gelobt bezüglich meinen abgegebenen Programmierarbeiten. Im abschließenden Projekt hatte ich die Ehre mit zwei wirklich intelligenten Studenten zusammen arbeiten zu dürfen. Einer davon ist David, ein sehr intelligenter und ehrgeiziger Student, der ein Stipendium für einen „Master of Business Administration“ auf der Oxford Universität bekommt. Von ihm konnte ich einige interessante Sachen bezüglich „Management of Software Development Process“ lernen und einige interessante Tools für zukünftige Projekte mitnehmen. Bei dem Projekthandelte es sich, um die berühmte Suchmaschine BLAST, welche in der Welt der Biologen häufig eingesetzt wird, um neu entdeckte Teilsequenzen in einer riesigen Datenbank zu suchen. Aufgabe war es dieses Programm auf mehrere Cluster parallel arbeiten kann, weiters haben wir ein bedienungsfreundliches Interface implementiert.

Die Formalitäten, um im Ski Team Mitglied zu werden, werden auch immer weniger. Neben meinen zahlreichen Formularen und Beweisen, dass ich in Österreich studiert habe und überhaupt in die Schule gegangen bin, eine aktuelle Version meines „Transcript of Records“ (= eine Liste aller belegten Kurse plus Noten, die ich auf der JKU bis jetzt absolviert habe), was ich mir extra von der JKU per Post schicken lassen muss, weil ja die Zusendung per eMail oder Fax untersagt ist. Dazu kommt noch eine Untersuchung, die ich aber bereits hinter mir habe, und eine Anmeldung zur Mitgliedschaft der USSA, kurz für „United States Ski and Snowboard Association“. Auf dem College bekommt beinahe jedes Sport Team ein eigenes Poster, was die jeweilige Sportart bewirbt und wo alle Teammitglieder abgebildet sind. Sieht ziemlich lässig aus, wenn man ein solches Poster auf dem Campus begegnet. Das Football, Basketball, Fußball und Cross Country Team bekamen das nötige Foto Shooting und Drucken des Posters vom Rocky Mountain College selbst gesponsert. Jedoch nicht das Ski Team oder das Golf Team, weil „wir nichts für die Community tun“, laut Bobby Beers. Aber so auch all die anderen Teams. Ziemlich viele Leute vom Ski Team waren verärgert deswegen, denn all die Mitglieder des Ski Teams haben im Schnitt die besten Noten im Vergleich zu Spielern aus den anderen Teams und wir haben zwei Mal in Folge die „Nationals“ (Ski Rennen auf nationaler Ebene) gewonnen. Doch ratet mal. Alex aus dem Ski Team hat sich der Sache angenommen. Firmen abgeklappert, um Sponsoren zu finden. Auch das Studio hat seine Zeit für das Foto Shooting gesponsert. Also kamen wir letzten Mittwoch zusammen und machten ein Foto Shooting der gesamten Mitgliederschaft des Ski Teams. Mädels trugen die RMC Ski Jacken und die Männer das RMC Ski Jersey (übergroßes Sportdress, wie es die Spieler beim Eishockey tragen), jeder mit diversen Ski Equipment abgebildet. Die Fotos sind ziemlich lässig geworden. Ich muss sagen, dass ich mit meinem Vollbart ziemlich Bad-Ass(knallhart) aussehe. - Hat er Vollbart geschrieben? Was? Vollbart? - Ja! Ich habe mir einen Vollbart wachsen lassen. Warum? Die Geschichte dazu geht so...

In den USA, wobei ich das nicht sicher bestätigen kann, aber zumindest hier auf dem Campus, wobei ich auch das nicht sicher sagen kann, gibt es die jährlich stattfindende Tradition, sich über den gesamten November nicht zu rasieren. Deshalb auch der Name „No Shaving November“. In dieser Zeit lässt man sich einen Weihnachtsbart wachsen. Es scheint etwas typisch-amerikanisches zu sein, also musste ich es einfach mitmachen. Um die Wahrheit zu sagen, ich habe schon 2 Wochen vor November mit dem „No-Shaving-November“ begonnen, um einen kleinen Vorsprung zu haben, da mein Bartwuchs noch etwas langsam voran geht. Leider kann mir keinen echten Vollbart wachsen lassen, da in der Zone zwischen meinem Mund und meinem Kinn nichts wächst.Trotzdem, Tradition ist Tradition. Wenn ich so drüber nachdenke, dann ist der „No-Shaving-November“ eher eine Sache unter uns Ski Team Buddies.fehlt

Nun will ich mal den Umstand erörtern, warum sich mein Red Bull Konsum vervielfacht hat und ich Arnold Schwarzenegger verehre seit dem ich in den USA bin. Eigentlich bin ich kein großer Red Bull Trinker und Arnold Schwarzenegger mag ich auch eher nur in seinen Filmen. Doch warum hängen nun im Apartment 2 Poster von Arnold Schwarzenegger in seinen Jahren als Bodybuilder und warum stehen vier Steign Red Bull in meinem Zimmer. Ich glaube es hat damit zu tun, weil diese beiden Objekte mich mit den Amerikanern verbindet. Etwas gemeinsam haben, etwas was beide Seiten kennen. Vielleicht ist es auch einfach der Versuch dem Heimweh zu entkommen, indem ich ein Stück „Österreich“ in meinen Händen halten und trinken kann. Ein Stück Heimat. Etwas auf das ich stolz sein kann (Red Bull hält 70% Marktanteil des weltweiten Energy Drink Marktes; 85% in Österreich), etwas womit ich mich identifizieren kann (Arnold begann als kleiner Mann in Österreich und wurde groß in Amerika). Vielleicht auch einfach nur deshalb, weil diese Dinge meine Identität, meine Nationalität, meine Herkunft für Außenstehende unterstreichen. Beide Dinge starteten in Österreich und gelangen im Laufe der Zeit zur Weltberühmtheit. The American way of life. Gettin' big in America. Etwas worauf ich als Österreicher ohne Gewissensbisse stolz sein kann. Erst nach einem längeren Aufenthalt „in einem unbekannten Land - tamm-da-damm, tamm-da-damm, damm - vor gar nicht all zu langer Zeit ….“. Ich kann mir jetzt nicht erklären, wie ich auf die Biene Maja gekommen bin. Es ist gerade 5 Uhr morgens, was hier meine Konzentration etwas schwächt. Anyway. Nach einem längeren Aufenthalt in einem fremdem Land wird einem erst Bewusst, wie wunderbar die österreichische Kultur ist (Kultur in allen Richtungen, Esskultur, Trinkkultur) und wie warmherzig und einzigartig unsere Brauchtümer sind. Leider drohen diese Kulturgüter durch die heranwachsende, jüngere Generation in Vergessenheit zu geraten. Deshalb werde ich mich nach meiner Rückkehr mehr mit unserer Kultur auseinandersetzen und versuchen Traditionen zu wahren. Denn nicht nur, dass diese Dinge durch Generationen gegangen sind und somit unsere nationale Identität unterstreichen, sie werden auf internationaler Ebene, wie hier in den USA, mit unserem Land assoziiert und wirft ein gutes, liebliches Bild auf Österreich. Das Erste was ich mir zulegen werde, wenn ich zurück in Österreich bin, wird eine Lederhosen sein. Am Halloween Wochenende hatte ich Bobby's Lederhosen getragen. Es fühlte sich so gut und vertraut an, obwohl ich Trachten nie meine Aufmerksamkeit geschenkt habe. Doch in einem fremden Land mit einer fremden Kultur ist es schön etwas vertrautes, traditionelles zu haben, was die eigene Kultur unterstreicht und was einem hilft nicht zu vergessen woher man kommt. Ich vermisse Österreich und bin stolz ein Österreicher zu sein.


Mit einem Paukenschlag änderte sich gestern das Wetter. Tagsüber schien die Sonne und man konnte mit kurzen Ärmeln draußen herumlaufen. Am Abend begann es zu schneien. Der erste richtige Schnee hier in Billings, einige machten eine Schneeballschlacht draußen. Die Temperatur ist sau kalt geworden. In Red Lodge liegt bereits etwas länger der Schnee. Das Ski Ressort dort wird nächste Woche eröffnet, d.h. Das Ski Team wird wahrscheinlich noch vor den Weihnachtsferien zum Trainieren kommen.

Was steht in den nächsten paar Wochen an? Nächsten Donnerstag, am 25. November, ist Thanksgiving, eine Form des Erntedankfestes, was aber stark von den Bräuchen des europäischen Festes abweicht, aber dennoch im Kern eine Gemeinsamkeit hat. Essen, Essen, Essen und noch mehr Essen. ;) Ich werde über dieses verlängerte Wochenende mit Bjorn und Chris zu Cade nach Hause fahren. Er wohnt in Washington, dieser Bundes

staat ist links von Idaho gelegen und Idaho ist links von Montana gelegen. Dies wird eine 10 Stunden fahrt werden, wobei wir in Missoula (ca. 5 Stunden von Billings entfernt) einen Zwischenstopp einlegen werden. Genaugenommen werden wir die Nacht in Missoula verbringen und am nächsten Tag die Fahrt nach Washington fortfahren. In der Nähe von Cade's Haus soll sich ein Ski Ressort befinden. Also werden wir wahrscheinlich dort zum Ski fahren bzw. Snowboarden kommen.

Über die Weihnachtsferien werde ich in das Ski Haus (Shamrock) ziehen und die Tage mit Harald und Diem verbringen. Harald (Schweden) wird ebenfalls nicht nach Hause fliegen. Über Weihnachten selbst hat uns Diem zu sich nach Hause in Utah eingeladen. Bin schon gespannt.

Schöne Grüße aus den windigen USA,

Peter

Dienstag, 2. November 2010

Homecoming Week

Weil ich gerade in der Bibliothek war, um eine Liste spanischer Vokabeln auszudrucken. Dort saßen ziemlich viele Football-Spieler gemeinsam am Tisch, um zu lernen. Ich dachte mir schon, wann denn diese Leute überhaupt lernen, weil ich meine Mitbewohner nie lernen sehe. Die meiste Zeit, wenn sie mal im Apartment sind, spielen sie Videospiele, sehen fern oder sind einfach nur laut. „Whuhhhh!“, „Yeaahhhh!“ oda „Take this, Fucker!“. Vorgestern war eine Ausnahme, denn alle Mitbewhoner bis auf einen waren außer Haus. Der eine Mitbewohner arbeitete mit einem Kollegen an einem Paper, bei laut aufgedrehtem Fernseher. Ich könnte keinesfalls so lernen, ich brauche Ruhe und absolute Stille, um mich überhaupt einmal konzentrieren zu können. Deshalb gehen die meisten Studenten gerne in die Bibliothek, um zu lernen oder Hausübungen zu machen. Sobald aber ein Rudel von Football-Spielern in die Bibliothek kommen, ist es aus mit der Ruhe. Wenn sie zusammen sind, dann ist es einfach laut und ich kann mir nicht vorstellen dass dann beim Lernen was weiter geht. Andererseits genieße ich die Ruhe hier im Apartment, wenn meine Mitbewohner lernen gehen müssen. Ja, müssen, denn als Football-Spieler musst du nicht nur regelmäßig zum Training kommen, sondern du musst auch für gewisse Zeiten in der Bibliothek sein, um zu büffeln. Macht Sinn.


Glücklicherweise hat es sich ergeben, dass ein Mitbewohner aus dem Apartment von Bjorn und Anton auszog, somit konnte ich einziehen. Der Auszug aus meinem alten Zimmer auf der Nordseite des Rimview Komplexes ging ziemlich schnell von der Hand. Ich mochte meine alten Mitbewohner, allesamt Football-Spieler, sie ärgerten mich nicht oder dergleichen, ich hatte mit denen jedoch so gut wie nichts gemeinsam. Dafür um so mehr mit Bjorn und Anton, die ebenfalls im Ski Team sind und zu meinen engeren Freunden hier zählen. Nach dem überraschenden Auszug besuchte ich noch meine alten Mitbewohner und trank eine Runde Schnaps zum Abschied. Ich bin mit diesem Umzug überglücklich, habe nun ein Zimmer auf der Südseite von Rimview, friere also nicht mehr ständig. Meine neuen Mitbewohner Bjorn, Anton und Dave sind super. Ein Franzose, ein Schwede, ein Österreicher und ein Amerikaner. Klingt schon fast wie der Anfang von einem Witz. ;) Wir haben mal davon geredet das Wohnzimmer mit unseren Nationalfahnen zu dekorieren, was wir auch gemacht haben. (siehe Foto).


Eine Maus fraß sich durch die Wand in Anton's Zimmer. Wir verbrachten Tage, um diese Maus zu fangen, kauften uns Mausefallen, schmierten Erdnussbutter als Köder darauf und stellten sie im ganzen Apartment auf. Zusätzlich noch klebrige Flächen, die man in die Ecke einer Wand stellt, denn Mäuse laufen instinktiv entlang der Wände. Nach 4 Tagen konnten wir die Maus endlich fangen.







Letztes Wochenende war mein erstes, richtig typisch-amerikanisches Halloween. Jedoch war dieses Halloween nicht viel anders als ich es bei uns in Österreich gewohnt bin. Also es war nicht eine über-drüber Sache. Die Häuser waren nicht sonderlich dekoriert, gerade mal ein paar Kürbisse waren zu sehen, aber keine Grabsteine oder aufgestellte Monster. Auch sogenannte „Trick-or-Treaters“ waren nicht sonderlich viele zu sehen. Ich habe ein paar Kleinkinder in Dinosaurierkostümen gesehen, die herumgelaufen sind. Aber sonst nichts besonderes. Wir hatten am Samstag eine Halloweenparty at Shamrock (Ski Haus), wo sich alle verkleideten. Ich borgte mir von Bobby eine echte Lederhosen, die er mal in Österreich gekauft hatte, kaufte mir Muskeln und ging als „Arnold Schwarzenegger in seinen jungen Jahren“. Das Kostüm kam ziemlich gut an. ;).

















Am Samstag war bei uns am Campus wieder ein Football-Spiel. In der Halbzeit war ein kleiner Wettbewerb, wer mit dem schönsten Paradewagen auffahren kann. Das gesamte Ski Team nahm daran teil. Vor der Halbzeit trafen wir uns am Parkplatz zusammen, spielten Beer Pong und heizten unsere Stimmung an. In der Halbzeit dann, fuhren wir mit einem geschmückten Golf-Caddy samt Anhänger auf das Spielfeld und fuhren dort ein paar Mal im Kreis. Dabei brüllten wir „RMC, RMC, RMC“ oder „What kind of power? - Bear Power!“, usw. Es war herrlich, ich auf einer Parade auf einem Football-Feld, wie im Film. Wir trugen alle knackige Skianzüge.














Mit meinen Noten sieht es derweil auch ziemlich gut aus. Ich habe drei A und zwei B. Verglichen mit allen anderen Sportteams auf dem College hat das Ski Team mit Abstand die besten Noten in den Kursen. Bobby Beers, Athletic Director des College, ist mit uns sehr zufrieden. Meine Kurse für das Frühlingssemester stehen auch schon fest. Leider kann mir die Informatik Fakultät auf Grund ihrer Größe keine interessanten Kurse anbieten. Deshalb habe ich beschlossen Kurse zu nehmen, die meinen Social and Communication Skills verbessern.
Meine Kurse werden sein:

- Introduction in Theatre

- Princliples of Management

- Public Speaking

- Small Group Communication

- Design I


Schöne Grüße an zu Hause. Bei uns ist noch immer kein Schnee gefallen. Heute war es so warm, dass ich mit kurzer Hose und T-shirt herumlaufen konnte. Das Wetter für diese Zeit ist in Billings ziemlich ungwöhnlich, da es bereits schon vor einem Monant zu schneien beginnen hätte sollen.

Weekend at D'Jeane's Ranch in Grass Range, MT

Vorletztes Wochenende verbrachte ich auf der Ranch von D'Jeane. Die Ranch ist nördlich von Montana gelegen und trägt den Namen „Finkbeiner Ranch “. Finkbeiner klingt etwas Deutsch, was?, ja, vor über 100 Jahren sind deutsche „Pioniere“ nach Montana gekommen und haben diese Ranch gegründet. Der Nachname dieser Einwanderer war „Finkbeiner“. Im Gegensatz zu der Tradition auf dem Land hier in Österreich, wo ein neuerrichtetes Bauernhaus einen Hausnamen bekommt, wird in Amerika die Ranch nach dem Gründer benannt. Grant-Kohrs Ranch, Finkbeiner Ranch, usw... . D'Jeane erwähnte vor Wochen in der Cafeteria, dass sie an diesem Wochenende nach Hause zu ihrer Familie fährt. Ich war interessiert daran, to see the country side of Montana. Sie lud mich ein sie zu begleiten.

Wir fuhren also am Freitag nachmittags los. Bobby, ein eingefleischter Hunter/Jäger, war mit von der Partie. Die Ranch ist ungefähr um die 80 Meilen von Billings entfernt, wir fuhren etwas mehr als eine Stunde dort hin. Die Nacht war bereits angebrochen als wir ankamen. Die Fahrt auf den typisch-amerikanischen Straßen war wieder mal ein Erlebnis. Endlos geradeaus führende Straßen, auf und ab, die letzten paar Meilen führten uns über Schotterstraßen zu D'Jeane's Ranch. Ihre nächsten Nachbarn sind ungefähr 3 Meilen entfernt. Ein altes Haus begrüßte uns. D'Jeane gab uns eine Führung durch das alte Haus das noch (bis auf die Stromleitungen) im Originalzustand ist, wie vor 100 Jahren. D'Jeane's

Mutter hatte bereits 5 Kisten Bier für uns bereitgestellt, wir kochten noch etwas zu essen und schalteten den Whirlpool im Wintergarten ein. Naja, es war eher eine Art ein am Haus angebautes Glashaus, war also etwas kalt darin. Im Whirlpool dafür angenehm heiß. Wir füllten den Raum mit Musik, tranken Bier und sangen (öster.) Lieder. Unglaublich wie gut das Lied „Ein Prosit, ein Prosit, der Gemütlichkeit.“ ankommt.

Am nächsten Tag, Samstag, standen wir so gegen 9 auf, kochten uns Frühstück und machten uns fertig für die Jagd. Mit D'Jeane's Truck fuhren für dann quer durch ihr Grundstück bis zu einem Waldstück. Wenn in den USA jagen gegangen wird, dann meistens in einem Rudel voller Jäger. Alle tragen Camouflage Klamotten (Camouflage ist die Bezeichnung der Tarnfarbe auf Kleidungsstücken), um in der Umgebung des Waldes unsichtbar zu werden, und zusätzlich zumindest ein neon-oranges Kleidungsstück, sei es ein Kapperl, eine Weste oder ein Pullover, um sich nicht gegenseitig (versehentlich) zu erlegen. Ich, Bobby, D'Jeane, D'Jeane's kleiner Halbbruder Grant mit einem Pfeil und Bogen und D'Jeane's kleine Halbschwester Gwen marschierten durch den Wald auf der Suche nach Truthähnen. Ich versuchte als erstes Ziel ein Eichkatzerl zu erlegen. Ich kniete mich nieder, legte das Gewehr an, zielte und traf. Jedoch nur das rechte Bein des Eichkatzerls, was mir sehr leid tat. Dann versuchte Bobby das angeschossene Eichkatzerl entgültig zu erlegen. Wir gingen weiter. Nach stundenlangem, erfolglosem Durchforsten des Waldes nach Truthähnen gaben wir auf und fuhren zurück zum Haus. Ich meine, wir hörten die Truthähne, konnten sie aber nicht sichten. Zu Hause angekommen wartete bereits ein köstliches Mittagessen auf uns, zubereitet von D'Jeane's Mum.

D'Jeane's Mum ist super nett und machte einige peinliche Bemerkungen gegenüber D'Jeane. - M: „D'Jeane, warum hast du keine Mädls mitgebracht, sondern nur Jungs?“ D: … weil das meine Freunde sind ...“ M: „Also keiner von diesen beiden Jungs ist wegen dir hier?“ - Aber auch mir gegenüber. M: „Peter, you are such a good looking boy. You look like a model from New York.“ P: „ (peinliche Stille)“ – Ich war nach dieser Aussage einfach nur sprachlos. Sie war aber insgesamt sehr unterhaltend. Nach dem Essen fuhren wir mit einem sogenannten 4-Wheeler (= großes Quad) auf D'Jeane's Land herum, über Wiesen und Weiden, an Kühen vorbei, der Wind wehend in unseren Haaren. Das Gruppenbild von uns mit komisch flatternd, aussehenden Haaren nahm ich während der Quadfahrt auf. Ich bin auch ein Stück gefahren und es hat höllischen Spaß gemacht und nebenbei erwähnt, die Gegend war wunderbar anzusehen. Uns rannte ein Hund spielend nach, an uns vorbei, vor uns und manchmal ziemlich nahe vor den Vorderreifen des Quads. Ich hatte ziemlichen schiss, diesen Hund nieder zu fahren. D'Jeane meinte aber nur, ich solle den Hund einfach ignorieren und einfach normal weiterfahren. Ihre Familie ist wirklich nett. Ihr Stiefvater Glen, ein etwas schweigsamer Cowboy, Davene, eine typische Mutter, Grant, ihr kleiner Halbbruder und ein ziemlicher Lausbua und Gwen, ihre Halbschwester. Nach der Quadfahrt starteten wir einen zweiten Versuch und gingen jagen, aber dieses Mal sind wir zu einem anderen Waldstück auf ihrem Grundstück gefahren. Wir stoppten mitten auf einer Weide und gingen zu Fuß weiter Richtung Waldstück. Im Wald angekommen, waren wir ganz leise und pirschten durch den gesamten Wald auf der Suche nach Frischfleisch. Diese Tätigkeit erinnerte mich an das Fischen. Jagen ist eine schweigende Tätigkeit, mit Freunden, man braucht Geduld und man ist überglücklich, wenn man etwas fängt/erlegt. Ist auch in einer gewissen Hinsicht entspannend. Man ist in der Wildnis, wird Eins mit der Wildnis, auf der Suche nach Nahrung. Dieses Mal waren wir wieder erfolglos. Kein Wild weit und breit. Wir konnten zwar Truthähne wahrnehmen aber nicht lokalisieren. Wahrscheinlich waren wir durch das Marschieren zu laut und verscheuchten damit das Wild oder die Kühe waren schuld, die uns während der ganzen Jagd beobachteten. Überall standen nämlich schwarze Kühe herum, durcheinander gemischt und über das ganze Land verstreut. Wurden wir etwas laut, starrten plötzlich alle Kühe uns an, gleichzeitig und ungewöhnlich starr. Am späten Nachmittag beschlossen wir aufzugeben und waren bereits auf dem Weg nach Hause, als Bobby plötzlich während der Heimfahrt ein Reh entdeckte. Wir hielten am Straßenrand, Bobby stieg aus, legte das Gewehr an und erlegte das Reh mit einem Langstreckenschuss (long-distance shot). Das Reh rannte noch ein paar Meter bevor es zusammenbrach. Beim erlegten Tier angekommen, begann Bobby so gleich das Reh aufzuschlitzen, um die Innereien zu entfernen. Die Prozedur war ziemlich interessant zu beobachten, wie sorgfältig Bobby das Fell vom Bauch entfernte und dann die Innereien entfernte, mit bloßen Händen. Seine Kleidung war voller Blut. Als er fertig war, packten wir das Reh auf die Ladefläche des Trucks und fuhren heim. Daheim angekommen hängten wir das Reh Kopfüber in der Garage auf. Ich half dann Bobby noch das Fell vom Reh zu ziehen. Bobby machte dann noch einige Schnitte in das Fleisch, so dass das Fleisch des Rehs über Nacht besser auskühlen konnte. Das war vielleicht eine Erfahrung. Wir gingen danach hinein, duschten und machten uns ein Abendessen. Diesen Jagderfolg mussten wir natürlich ausgiebig feiern. Dafür sprangen wir wieder in den Whirlpool, tranken ein paar Bier und sangen Lieder. „Ein Prosit, ein Prosit, der Gemütlichkeit.“ Dieses Lied gaben wir an diesem Abend unzählige Male zum Besten. Nach einer Weile verlegten wir die Feier vom Whirlpool in die Küche. Der Abend war lang und wir hatten sehr viel Spaß.

Am nächsten Tag, am Sonntag, verluden wir das Reh auf die Ladefläche des Trucks und brachen

die Heimfahrt an. D'Jeane ist im Besitz eines riesengroßen Trucks, Marke Dodge, was bei uns in Europa wohl eher als Monster-Truck durchgehen würde. Ich wollte mir die Gelegenheit nicht nehmen lassen und fragte, ob ich nicht am Steuer sitzen könnte. Beide, Bobby und D'Jeane, waren vom Vorabend noch ziemlich müde und geschafft, ich fühlte mich pudelwohl und durfte mit diesem Kalliber die Heimfahrt durch die Prärie Montana's antreten. Dabei fühlte ich mich wie ein Amerikaner, fehlten nur noch Cowboyschuhe und ein Cowboyhut.




Donnerstag, 28. Oktober 2010

Sauberkeit

Puncto Sauberkeit in unserem Apartment. Es gibt Tage, vor allem jene nach jedem Wochenende, wo das Apartment wirklich schlimm aussieht. Brösel, Dosen, benutzte Pappteller am Boden, der Abwasch überfüllt mit Geschirr, Mikrowelle und all die anderen Haushaltsgeräte benutzt und nicht gereinigt, Spiegel verschmiert, Haare im Handwaschbecken vorm Spiegel. Es gibt im Rimview und auch in all den anderen Studentenheimen keine Putzfrauen, die einem hinterher putzen. Nun ja, ich versuche so wenig wie nur möglich anzupatzen und alles was ich anfasse mehr oder weniger sauber zu halten. Wenn es wirklich mal schlimm ist, dann räumen meine Mitbewohner brav alles auf und putzen das Apartment. Natürlich lege ich auch mit Hand an. Manchmal, was sich aber immer mehr zu einer Regelmäßigkeit hinbewegt (das ist mehr heute morgen aufgefallen), als ich so um 9 Uhr aufstand, meine Mitbewohner bereits alle im Unterricht waren und gerade meine Wäsche gemacht habe. Es klopfte an der Türe, ganz leise, nicht ein PEMMPEMMPEMM, wie ich es von meinen Roomies gewohnt war. Nein, es war ein leises, zärtliches Klopfen. Ich ging zur Tür, öffnete diese und wer stand da? Es war Eric's Mum mit zwei Plastiksackerl, gefüllt mit Cookies, in den Händen. Sie bringt ihm immer Lebensmittel, wie Milch usw. vorbei. Ich ließ sie herein und ging dann wieder an meine Wäsche in mein Zimmer. Als ich dann an meinem Laptop arbeitete, hörte ich, wie sie den Kühlschrank auffüllte und danach sogar den Abwasch des Geschirrs begann. Ich war (natürlich) positiv Überrascht. Nach und nach kamen meine Roomies vom Unterricht zurück, und sie machte weiter. Ich ging dann zum Mittagessen in die Cafeteria, als ich eine Stunde später zurückkam, war das gesamte Apartment blitze blank aufgeräumt. Boden sauber, Spiegel sauber, sogar der braune Belag am Boden der Dusche, der sich über Wochen angelagert hatte, ist nun weg.

Freitag, 22. Oktober 2010

Glacier National Park

Hallo,

während dem Road Trip durch Montana zum Glacier National Park habe ich all meine Eindrücke und Erlebnisse auf ein Stück Handabtrocktuch (siehe Foto) festgehalten, was ich auf der Toilette vom Subways her habe. Also eine Art Tagebuch geführt, welche ich hier in diesem Blog teils eins zu eins wiedergeben werde. Warum habe ich das gemacht? Weil ich sonst diesen Trip nicht bis ins kleinste Detail wieder erzählen könnte. Warum nicht in einem Tagebuch oder auf normalem Papier? Weil ich erst beim Subways draufgekommen bin, dass das vielleicht eine gute Idee wäre, und ich auf die Schnelle kein Tagebuch oder weißes Papier auftreiben konnte. Notlösung: Handabtrocktuch aus der Toilette vom Subways. Während der langen Fahrten habe ich geschrieben. Ich hoffe, euch gefällt dieser Stil. Viel Spaß beim lesen.





Mittwoch, der 13. Oktober: Abfahrt vom Campus

Ich fühlte mich an diesem Tag etwas kränklich. Ich schob wieder einen All-Nighter (die Nacht durchmachen), da ich an diesem Tag ein Exam in Marketing hatte. Abfahrt war für 4 Uhr nachmittags ausgemacht. Ich hatte Spanisch bis 3:20 Uhr und noch nichts für den Glacier National Park Trip gepackt, war also ziemlich im Stress und longboardete nach Spanisch so schnell, wie ich nur konnte zurück zu Rimview. Nummer 2, duschen und packen, dann Zimmer etwas zusammen räumen, man will ja vor Einbrechern kein schlechtes Bild von sich machen ;), und die restlichen Sachen verstauen. Noch schnell einen Burrito in der Mikrowelle machen und ein Glas mit Milch trinken, essen, man weiß ja nicht, wann man wieder was zwischen die Zähne bekommt (diese dumme Angewohnheit habe ich noch vom Bundesheer und kann es mir nicht abgewöhnen), Fenster zu, Silhouetten runter drehen, Türen verschließen und Abmarsch in Richtung „Family Bear Student Center“, wo der Treffpunkt war und der Van bereits auf uns wartete. Wir fuhren los:

Prärie - Einöde – das Wetter ist wunderschön – Kühe, Büffel, Wildpferde grasen auf der Weide – fahren gerade durch eine typische Stadt im wilden Westen – viele Trucks (= LKW auf Steroiden) kommen uns entgegen - Zwischenstopp in der Kleinstadt Livengston – wir gehen in das Fast Food Lokal genannt Subways – wir fahren weiter - wunderschöne typisch-amerikanische Kleinstädte sind mitten in der Landschaft

zu sehen während der ganzen Fahrt – es ist Abend und ein unglaublicher, wunderschöner Sonnenuntergang hinter den Bergzeilen ist zu bewundern – der Himmel ist bewölkt – die untergehende Sonne lässt die Wolken in die Farben Rosa und Vanille-gelb schimmern – die Berge sind auf Grund der untergehenden Sonne sehr dunkel und fast nur ihre Silhouette ist erkennbar, darüber ist ein wunderschöner, hellblauer Himmel mit den einzelnen Wolken – ich genieße ein Red Bull, das ich mir vorher bei der Tanke gegenüber von Subways kaufte – die Nacht bricht schön langsam herein, wir suchen uns einen geeigneten Campingplatz im Campingareal „Deer Lodge“ - die Suche dauert, denn es ist Stock dunkel und wir halten bei fast jeder Beschilderung, um mit den Scheinwerfern des Vans die Textur darauf lesend zu machen – endlich, wir sind da – aussteigen und so gleich zwei Zelte aufbauen – Campingtisch mit Essen auftischen – es ist ein wunderscner Sternenhimmel zu sehen, so viele Sterne auf einmal habe ich noch nie irgendwo

vorher gesehen – Abertausende Sterne – klarer Himmel – obwohl wir zwei Zelte aufgebaut haben, lasse ich mir die Gelegenheit nicht nehmen und schalfe draußen auf dem Campingtisch – aus Erfahrung weiß ich, dass der Boden saukalt ist - Seth und Luke schlafen ebenfalls draußen, auf dem Boden – die Mädels im Van – Stunden vergehen und liege noch immer im Schlafsack gekuschelt, blicke nach oben und genieße den unbeschreiblichen Anblick der Sternennacht – am Rand meines Blickfeldes sind die Silhouetten der Bäume zu sehen.
















Donnerstag, der 14. Oktober: Prärie

Muaahhhh – strecken, recken – der nächste Tag ist angebrochen – es ist saukalt draußen – nur schwer kriege ich mich selbst aus dem Schlafsack – ein wunderschöner Anblick von Bergen, die uns umkreisen, begrüßte mich – das haben wir in der Nacht zuvor gar nicht mitbekommen, da es ja dunkel war – einer der Campingtische war bereits mit Essen aufgetischt – Zähne putzen – Gesicht waschen und noch schnell ein Gruppenfoto schießen – ich bin wohl der einzige der immer auf ein Gruppenfoto drängt – seit ich in den USA bin habe ich mir den Satz „We should take a group picture, right now!“ angeeignet – diesen Satz werde ich in den nächsten Tagen noch öfters bringen – wir fahren los – der erste Stopp wird ein altes Gefängnis in Montana sein, es ist ein „Old Prison Museums“ mit angeknüpftem „Montana Auto Museum“ - wir machen ein Tour – das heißt eine Tour auf eigene Tour – Automuseum – wir fahren weiter und stoppen bei einer Ranch,

um noch schnell Toiletten auf zu suchen – Zufällig spricht uns eine Frau an, ob wir nicht eine Tour im Haus auf dieser Ranch machen wollen – sie veranlässt alles und wir m

achen eine Tour auf der Grant-Kohrs Ranch in Deer Lodge – eine alte Frau begrüßt und fürht uns durch das Haus der Kohrs, bekommen einen Einblick in die Lebensart der Kohrs Familie, aufgewachsen in Hamburg, Deutschland, eingewandert in die USA und einer der ersten Pioniere hier in Montana – bekommen einen Einblick in das Leben der Cowboys auf der Ranch der Kohrs – wir fahren weiter - an unendlich vielen, gewellten, senfbraunen Hügeln, Berge, kleinen und großen Riesen/Schluchten, die sich am Fuße der Berge hinziehen vorbei - Schluchten, vereinzelte Bäume auf den Anhöhungen, ausgetrocknetes, gelbliches Gras, überall unendlich lange Straßen, begleitet von Strommasten aus Holz – große Strommasten die sich über die Prärie und die Berge er

strecken – Landschaft durchzogen von Flüssen und Teichstellen, in denen sich die typisch-amerikanische Landschaft widerspiegelt - hin und wieder alte Gleisen – vereinzelt, verlassene, halb-zerstörte Häuser, Hütten - obwohl die Gegend Prärie-artig scheint, sind dennoch große Flächen mit Zäunen durchzogen - blickt man zum Horizont, sieht man eine Bergzeile nach der Anderen, hintereinander, nacheinander, in verschiedenen Anordnungen und Variationen – eine Bergzeile schöner und gewaltiger als die Andere – schimmernd in unterschiedlichen Farben und Schattierungen, Weiden, endlos lange, geradeaus gehende Straßen, gewellt - vereinzelt sind Bauernhöfe zu sehen – Erst jetzt wird mir klar wie gewaltig die Natur sein kann. – die Stimmung im Van gerade ist genau so, wie ich mir ein Road Trip durch die USA vorstelle und wenn es in diesem Fall nur durch Montana war - ich sitze hier mit Emma in der letz

ten Reihe - Emma hört sich Songs über den iPod an und singt zu den Liedern - ich höre ebenfalls ein paar lässige Songs von den Red Hot Chilli Peppers über meinen geborgten iPod - trage meine coole Sonnenbrille - Volume auf laut gedreht – die Landschaft zieht an mir vorbei - die Sonne ist gerade am Untergehen - Seth und Aaron sitzen in der nächsten Reihe und schlafen – diese Weiten, die Komposition der Wolken, Weiden, Bergen, Himmel, formiert zu einer Landschaft, zu einer Augenweide - All das hat einen Einfluss auf die gemütliche Stimmung i

m Van - Mitten in der Einöde, auf der langen gerade-ausgehenden Straße ist plätzlich eine Ampel und wir stehen - eine andere unendlich lang gerade-ausgehende Straße kreuzt unsere Straße – Alle sind etwas durchschwitzt, denn wir hatten seit der Abfahrt keine Dusche mehr gehabt und wir werden vorausschauend auch in den nächsten Tagen keine Duschmöglichkeit haben - Gerade eben fuhren wir an einer Verkehrstafel vorbei, die sagte,

dass wir zwei Stunden vom Glacier National Park entfernt sind

Im Campground St. Mary angekommen, bauen wir unsere Zelte auf – dieses mal drei Stück, denn es sollte ein Unwetter aufziehen - überall im Camp verteilt hängen „Achtung Bären“ Schilder und Hinweisschilder, wie man vermeidet Bären anzulocken - ich werde diese Nacht im Van verbringen (weil ich nach dem Essen, ein heißes Würstchen in den Wald geworfen habe; ich las erst danach die Hinweisschilder) – wir bauen also die Zelte auf, machen Feuer und schmeisen ein paar Würsten auf den Grill – aber nicht wie bei uns, die Würstel auf einem geschnitzten Spieß über dem Feuer braten zu lassen – als Nachspeise gibt es Marshmallows aufgespießt auf Steckern, welche dann über das Feuer gehalten werden - wieder mal haben wir eine unglaubliche Sternennacht – ich versuche wieder diese Pracht mit meiner Kamera festzuhalten – es ist aber nur schwer möglich und kommt nicht mal näherungsweise an die Augenweide oben am Himmel heran – der Wind g

eht sehr stark, ich mache mit Emma, Aaron und Josef noch eine kleine Nachtwanderung - e

infach der Straße entlang, der Wind bläßt was das Zeug hält und es ist stockdunkel – es macht Spaß – nach einem Stück des Weges beginne

ich immer langsamer zu gehen, so dass ich in der Dunkelheit verschwinde – ich schleiche mich an Aaron heran und schreie laut „BUUUHHH“ - Aaron hat sich ziemlich erschreckt – Gruppenfoto – und wir gehen zurück – gehen schlafen

Freitag, der 15. Oktober: Wandern im Glacier National Park


es ist morgen – wir bauen die Zelte ab, räumen unseren Campingplatz zusammen und verlassen das Camp, fahren in Richtung Glacier National Park weiter – ich bin an d

iesem Morgen etwas früher als die Anderen aufgestanden, um den Sonnenaufgang zu sehen – das frühe Aufstehen hat sich wirklich bezahlt gemacht - der Himmel war teils bewölkt und die Sonne kam hinter den unzähligen Bergen hervor und ließ die Wolken in einem gelblichen Schimmer leuchten. Es war wunder schön anzusehen – wir machen einen Zwischenstopp und sta

rten eine 6 Meilen Wanderung durch ein Gebiet mit vielen Wasserfällen - dabei passieren wir wunderschöne Wasserfälle. - Bei meiner dummen Kletterei auf ein Baumstamm, der quer über den Fluss liegt, plumpse ich mit meinem rechten Fuß ins Wasser – Turnschuh und die Socke sind naß geworden - ich wandere aber trotzdem weiter – nach dieser schönen Wanderung fahren wir nun weiter zu unserem eigentlichen Ziel, die östlichen und westlichen Berge des Glacier National Parks – dort angekommen, starten wir wieder eine große Wanderung, entlang der Berge - die Aussicht ist wunderschön – die Berge sind gewaltig, majestätisch schimmernd in den unterschiedlichsten Farben - gelbe, rote

, grüne, pinke Gesteine liegen entlang des Wanderweges – auch passieren wir entlang des Wan

derweges unzählige kleinere Wasserfälle, die den Berg herunter laufen – es ist saukalt hier oben, der Wind weht so stark, dass man sich dagegen lehnen kann - gerade halt, dass einem die Mütze nicht weg fliegt - es hagelt ein wenig und die Hagelkörner peitschen durch die Gegend und teils uns ins Gesicht - das erinnert mich etwas an den Großglockner – wir wandern auf einer Höhe von ca. 3000m - ich versuche wieder diese Schönheit mit meiner Kamera einzufangen, ich probiere mit allen möglichen Funktionen der Kamera herum – Vergebens - in diesem Moment wird mir klar, dass ich nicht die Macht habe, diesen Moment, die Gefühle dabei auf einem einzelnen Foto festzuhalten, was wohl nicht einmal mit einem Videoclip möglich wäre. Das macht mich ein wenig traurig, euch nicht diese Momente, Naturgewalten, hau

tnah wieder geben zu können. Man muss es erlebt haben. Ich kann mit Fotos und meinen Einträgen nur einen Bruchteil dessen wiedergeben, was ich hier erlebe. - Wir fahren weiter, mit dem Van, kanadisches Radio läuft und spielt gemütliche Country Musik, das aufge

drehte Licht im Rücksitz des Vans, ist wie ein leicht gedimmtes Licht, kein Kräftiges, die Atmosphäre im Van jetzt gerade ist so gemütlich, wir reden über alle möglichen Themen, Erlebnisse, man lernt einander kennen - zwei Tage ohne Duschen sind es jetzt, jeder stinkt etwas und ist verschwitzt - ich hoffe wir haben heute die Möglichkeit zu duschen – ich glaube wir werden heute in Holzhütten schlafen - nächster Stopp ist ein Grocery Store, ein einzigartiger kleiner Einkaufsladen, klein, mitten im Nirgendwo - ich versorgte mich bis jetzt mit Red Bull, aber in diesem Laden kostet eine Dose Red Bull 2.75 Dollar, was zu teuer für mich ist - ich kaufe also einen Kaffee - dazu etwas typisch-amerikanisches, Cracker Jack, ein mit Karamell überzogene Popcorn - ich wünsche mir eine Dusche so sehr – wir fahren weiter – machen wieder eine Wanderung, di

e aber dieses Mal nicht so spektakulär ist - nichts außergewöhnliches - viele Bergziegen sind zu sehen - meinen Wunsch, einen Grizzley Bären von d

er Nähe zu sehen, bleibt mir unerfüllt - ich sehe einen Bären aus der Ferne, was daher nur die Form einen Punktes hat – nach der Wanderung fahren wir zu unseren Kondor (Behausung) weiter – dabei kreuzten wir den Weg eines Elches – ich sah bei dieser Wanderung ein Haufen Bergziegen - bei dieser Wanderung traf ich zufällig zwei Deutsche, die schon seit zweieinhalb Wochen von Kanada aus auf der Durchreise sind und eine Art Road Trip durch verschiedene Parks machen – wir fahren weiter in Richtung des Kondors – stickend, ungutes Gefühl, schon seit 2 Tagen nicht geduscht – Sehnsucht nach Sauberkeit - wir sind nun bei unserem Kondor in der Kleinstadt „Whitefish“ angekommen – Aufgaben werden verteilt - ich hänge mit Aaron die Zelte in der Garage auf, um sie zu trocknen – die Anderen fangen an zu kochen – Zimmer werden auch gleich eingetei

lt - das Haus ist sehr schön eingerichtet - ich verschwinde gleich unter der Dusche, natürlich habe ich keine Ahnung, wie man das Warmwasser aufdrehen kann - also dusche ich halt mit saukaltem Wasser, aber es ist dennoch ein Trau

m – endlich wieder sauber - Haare gestylt, frisches Gewandt an - es duftet bereits nach leckerem Essen – ich gehe nach unten – hm... es gibt Spaghetti, Knoblauchbrot auf richtigen Tellern, Musik im Hintergrund laufend - Zurückversetzt in die Zivilisation! - ich mache den Abwasch – wir spielen noch ein wenig Karten, schauen Fern – mittlerweile weiß ich wie man den Wasserhahnschalter richtig bedient, um ans warme Wasser zu gelangen - über die Blaue Zone in Richtung der roten Zone drehen



Samstag, der 16. Oktober: Flathead Valley Roller Derby

Aufgewacht, die Temperatur im Haus ist verdammt heiß – ich gehe du

schen, aber dieses Mal mit Warmwasser, ich bin einer der Ersten, der munter geworden ist – ich helfe beim Frühstück machen - es gab Speck, Eier und Würstel – ein typisch-amerikanisches Frühstück – eines der Mädels versucht Kaffee zu zubereiten, indem sie „ganze“ Kaffeebohnen in den Filter füllt und die Kaffeemaschine einschaltet – mann, so geht das doch nicht - man muss die Bohnen zerkleinern, bevor man den Filter damit füllt – ich übernehme diesen Part – heute werden wir das Oktoberfest in Whitefish besuchen und danach ein Roller Derby ansehen – morgen werden wir in einer Art Therme halten, genannt „Hot Springs“ - wir beladen den Van und fahren los – Endlich, offiziell im Glacier National Park angekommen, machen wir eine Wanderung – viele große Steine befinden sich im Wald und auch einige hohle Bäume - wunderschöne Wildwasserstellen und -quellen – wir machen einen H

alt in einem Tal, umgeben von Bergen – legen uns in die Sonne, essen unsere Lunchpakete und

schauen den Bergziegen zu – nach dieser Auszeit geht es wieder zurück in die Kleinstadt „Whitefish“, wo ein Oktoberfest auf uns wartet - ich habe hier das Gefühl als wäre ich auf dem Haager Volkfest, die Musik, der Duft, die Menschenmenge – alles dem Volksfest in Haag gleich - es ist aber wirklich nur eine kleines Fest, was mich sehr ärgert, sind die Amis, die billige Lederhosen und Dirndln tragen – diese Outfits aber so billig aussehen als wäre es ein Kostüm für Fasching, so übertrieben – für mich, das anzusehen, ist so als würden die Amerikaner sich über uns und unsere Kultur lustig machen, unser Brauchtum, unsere traditionelle Kleidung – nachdem jeder sei

ne kleine Mahlzeit zu sich genommen hat und ich köstlichen, heißen Sauerkraut (hm... lec

ker), sind wir den Rest der Kleinstadt ansehen gegangen -obwohl wir uns im Jahr 2010 befind

en, sind alle Geschäfte und Lokale im Stadtzentrum der Reihe nach aufgebaut, wie man sich eine Kleinstadt aus dem Wilden Westen vorstellt – also die Vorderwand etwas mehr nach oben gezogen, der hintere Teil der Häuser unschön und nicht sonderlich schön gebaut - ich fühle mich bei dieser Stadtrundtour wie ein Tourist, denn ich habe so viel Blödsinn gekauft, was wohl kein Amerikaner jemals selbst kaufen würde - ein David-Crocket-Hut zum Beispiel – wir fahren weiter zum Höhepunkt des Tages: das Fleathead Valley Roller Derby – Das Roller Derby findet in einer Lagerhalle statt, im Flathead County was eher am Land gelegen ist. Dabei handelt es sich um eine Art Spiel, bei der zwei Teams von lasziv und sexy gekleideten 30+ Frauen auf Rollschuhen im Kreis fahren. Das Ziel des Spieles ist, dass jeweils einer aus beiden Teams versucht, die restlichen (die eine

Art Wand darstellen) zu überholen/durchbrechen. Dabei ist es der „Wand“ erlaubt, die Gegnerischen Spieler zu stoßen/schubsen, um sie zu Fall zu bringen, so dass das eigene Teammitglied die Wand durchbrechen kann. Geschieht dies, punktet das jeweilige Team, dessen Goali die Wand als ersters durchbricht. Das Roller Derby ist meine erste typisch-amerikanische Sportveranstaltung, die ich bis jetzt besucht habe. - Wir stehen in einer riesigen Schlange vor dem Eingang – endlich sind wir drinnen angekommen, bekommen einen Stempel – an mir gehen einige Amis mit Dosenbier in den Händen hinein – die Halle ist bereits gut gefüllt – Die Nationalhymne wird eingestimmt – alle Rednecks drehen sich zur Flagge, mit der rechten Hand auf der Brust und 'ne Dose Bier in der linken Hand – außer mir, ich filmte das ganze Spektakel – Ich denke das eigentliche Ziel dieser etwas niveaulosen Veranstaltung ist, dass alle Zuseher Bier trinken und dabei gaffend das Gerempel der sexy angezogenen Damen zusehen und zujubeln – Seth sagt mir, dass dies ei

ne typische Veranstaltung von und für Rednecks ist. - Viel Niveau in dieser Veranstaltung ist nicht zu erkennen. - Bier, sexy, bitchig angezogene Mädls - das perfekte Event für's Perchten Pub ;) - dieses Event ist eine neue Erfahrung – wir fahren zu unserem Kondor zurück – wir schauen noch einen Film und gehen schlafen.


Sonntag, der 17. Oktober: Heimfahrt


wir stehen auf – beladen den Van, räumen das Kondor zusammen un

d treten die 8-stündige Einfahrt an – wir machen einen Stopp bei einem abgelegenen Restaurant – ich bestelle einen Erdbeer Milkshake – wir fahren weiter und machen nach ein paar Stunden einen Zwischenstopp in einer Art Wasserpark genannt Hot Springs – Das Wasser in den Becken ist warm – dies ist der perfekte Abschluss – die T

emperatur draußen ist ziemlich kalt, das Wasser im Becken heiß – es ist richtig entspannend – raus aus dem warmen Becken – eine kleine kalte Luftwatschn kassieren und rein ins Becken mit noch heißerem Wasser – wow – kurz bevor wir weiterfahren, springe ich noch schnell in eine Dampfsauna – 30 Minuten sind vergangen – ich komme aus der Saune, nehme eine kalte Dusche und legte mich draußen auf eine Liege – rundherum unzählige Berge, die Teil der typisch-amerikanischen Landschaft sind – ich fühle mich wie neu gebohren – die Sauna war genau das richtige was ich jetzt brauchte